Oper und Konzerte in Venedig




    Mirandolina, Oper von B.Martinů

    Mirandolina, Oper von B.Martinů

    Mirandolina, Bohuslav Martinůs helle und liebevolle Hommage an Carlo Goldoni, einem italienischen Dramatiker des achtzehnten Jahrhunderts, der die Commedia dell'Arte revolutionierte, ist der Beweis dafür, dass die Fähigkeit der Oper weiterhin zu überraschen keine Grenzen kennt. Im Jahr 1954 fertig gestellt, wurde sie erst am 17. Mai 1959 am Smetana-Theater, der heutigen Staatsoper Prag, uraufgeführt. Mirandolina gilt aus der Perspektive des zwanzigsten Jahrhunderts als italienische Opera buffa.

    Basierend auf der Komödie aus dem Jahre 1753 La Locandiera (Die Wirtin) von Carlo Goldoni entfaltet sich Martinůs Oper im Tempo eines italienischen Scherzo. Die resolute Mirandolina könnte jedem Mann gefallen. Sie aber lehnt die Avancen der beiden möglichen Freiern, dem Marchese von Forlimpopoli und dem Conte von Albafiorita, ab. Lieber nimmt sie die Herausforderung an, das Herz des frauenfeindlichen Cavaliere von Ripafratta für sich zu gewinnen. In der Zwischenzeit verliebt sich allerdings der einfache Kellner Fabrizio in sie.

    Die Zugänglichkeit der Handlung ermöglicht es dem Publikum, sich auf die Musik zu konzentrieren. Martinůs Partitur ist faszinierend und irgendwie gelingt es ihr jahrhundert alte italienische Tänze und Koloratur durch ein neoklassisches Prisma mit klaren Anklängen an die Musik von Bartók und Prokofjew zu durchlaufen. Sogar in Saltarello, der den dritten Akt eröffnet, finden sich Ähnlichkeiten mit der Musik von Schostakowitsch.

    Nun hat das Publikum des Gran Teatros La Fenice in Venedig die Möglichkeit, das Werk eines tschechischen Komponisten zu genießen, dessen Weltoffenheit im Kontrast zu dem erstrebten nationalen Stil vieler seiner Landsleute steht. Da Martinů einen Großteil seines Lebens außerhalb seines Heimatlandes verbrachte, könnte Mirandolina - sprudelnd, hell und freundlich - auch als das perfekte Gegenmittel zu einem Künstler im Exil angesehen werden.




    image Gran Teatro La Fenice / Fondazione Teatro la Fenice / Michele Crossera