Oper und Konzerte in Venedig

Teatro Malibran


Platea, € 162



La Griselda, Oper von A. Vivaldi

La Griselda, Oper von A. Vivaldi

La Griselda ist eines dieser seltenen Juwele, die man einfach gesehen haben muss, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Die Inszenierung einer Oper von Antonio Vivaldi war schon zu Zeiten des Komponisten, geschweige denn Jahrhunderte später, eine Seltenheit, doch das Gran Teatro La Fenice in Venedig arbeitet daran, das zu ändern. In dieser Saison können Kenner der Barockmusik das mitreißende Dramma per musica (Drama mit Gesang, Singspiel und Oper) in drei Akten in einer seltenen, originalgetreuen Wiederaufnahme im Teatro Malibran, das La Griselda in ihre metaphorische Heimat zurückbringt, genießen. Am 18. Mai 1735 wurde die Oper im Teatro San Samuele in Venedig uraufgeführt. In dieser Spielzeit kann Vivaldis besonderes Werk dem Live-Publikum erneut Freude bereiten.

Für La Griseldas Geschichte müssen wir nicht weiter suchen als bis zum Decamerone von Giovanni Boccaccio. Apostolo Zeno hatte um die Wende zum 18. Jahrhundert ein Libretto vorbereitet, doch Vivaldi benötigte größere Überarbeitungen, bevor er Jahrzehnte später seine Arbeit an der Musik beginnen konnte, weshalb der beliebte Dramatiker Carlo Goldoni die Aufgabe übernahm, das Buch nach den Wünschen des Maestros zu adaptieren. Die Zusammenarbeit der beiden Künstler verlief nicht ohne Probleme, und doch wurde La Griselda zu einem musikalischen und dramatischen Erfolg. Boccaccios ursprüngliche Geschichte war charakteristischerweise verworren, doch Goldoni nutzte seinen ausgeprägten dramatischen und erzählerischen Instinkt, um sie inhaltlich zu straffen und sowohl an Vivaldis musikalische Landschaft als auch an die besonderen Fähigkeiten der Interpreten anzupassen.

Unsere Geschichte beginnt mit einer Liebe, die über Klassen und Traditionen hinausgeht: Gualtiero, König von Thessalien, hat die Hirtin Griselda geheiratet und sein Volk damit in einen Taumel aus Bestürzung und Unglauben versetzt. Der Hass der Menschen auf ihre neue Königin ist so groß, dass Gualtiero, als sie eine Tochter zur Welt bringt, so tun muss, als hätte er sein eigenes Kind getötet, um die Massen zu besänftigen. Tatsächlich schickt er seine Tochter Costanza in die Obhut des Athener Prinzen Corrado. Auch Jahre später hat die Unzufriedenheit der Menschen nicht aufgehört, als sei sie von einer finsteren Kraft aufgehetzt. Gualtiero begibt sich in ein gefährliches Spiel, um sein Volk von Griseldas Tugenden zu überzeugen, während Costanza selbst mit Liebesproblemen konfrontiert wird. Wie wird sich das komplexe Netz aus Beziehungen und Wünschen entwirren? Das Publikum im Malibran Theater wird es in dieser Saison erfahren.




image Teatro Malibran / Fondazione Teatro La Fenice, Michele Crosera