Oper und Konzerte in Venedig




    Il sogno di Scipione, Oper von W. A. Mozart

    Il sogno di Scipione, Oper von W. A. Mozart

    Als er Il sogno di Scipione komponierte, im Grunde genommen eine Einaktoper, war Wolfgang Amadeus Mozart gerade einmal 15 Jahre alt. Trotzdem wird der geübte Zuhörer in diesen etwa 80 Minuten all die Erkennungsmerkmale finden, die dem österreichischen Komponisten einen Platz in der Ruhmeshalle der klassischen Musik einbrachte. In dieser Saison werden die Gäste des Teatro Malibran in Venedig begeistert sein von Il sogno di Scipiones flinken Melodien, berauschend eiligen Passagen und eleganten Intermezzos.

    Mozart schuf Il sogno di Scipione (oder Der Traum des Scipio) als einen Tribut an seinen Patron, Fürstbischof Sigismund von Schrattenbach. Er engagierte die Hilfe des Librettisten Pietro Metastasio, um Ciceros Buch Somnium Scipionis für die Opernbühne zu adaptieren. Das Werk wurde als einaktige dramatische Serenade eingestuft, oder als “azione teatrale”. Unglücklicherweise erlebte Graf Schrattenbach die Aufführung der ihm gewidmeten Komposition nicht mehr, da er Ende des Jahres 1771 plötzlich verstarb.

    Il sogno di Scipione wurde daher umgewidmet an Fürst Colloredo – Schrattenbachs Nachfolger – und feierte seine Premiere am 1. Mai 1772 im Palast des Erzbischofs in Salzburg. Um das Stück kurz zu halten, enthielt die Vorstellung nur eine Arie, einen Chorus und ein Rezitativ, welches die neue Widmung an Colloredo enthielt. Das Werk geriet dann in Vergessenheit und soll erst 1979 erstmals vollständig aufgeführt worden sein, während der Mozartwoche in Salzburg. Seitdem erlebte Il sogno di Scipione ein kleines Comeback mit gelegentlichen Aufführungen in Europa und Nordamerika.

    Die Handlung, basierend auf der Originalgeschichte von Cicero, nimmt uns mit nach Nordafrika im Jahr 200 vor Christus. Scipio, ein römischer Politiker und Feldherren, hat einen lebhaften Traum: Obwohl er im irdischen Königreich von Ost-Numidien einschläft, erwacht er im Himmelstempel, wo er von zwei Göttinnen angesprochen wird. Die eine ist Fortuna, welche die Kraft hat, zu beschädigen, zu zerstören und zu erschaffen, während die andere Constanza ist, die Göttin der Loyalität, Stabilität und der Tugend.

    Scipio erfährt dann, dass er zur Erde zurückkehren und seine Armee in eine Schlacht führen muss, wobei aber nur eine der Göttinnen ihm helfen kann. Anfangs hin und her gerissen, erwählt er Constanza und bestätigt damit, dass er ein reines Herz hat und ein Krieger der Wahrheit und des Lichtes ist. Ein finales Rezitativ enthüllt dann, dass Scipio eigentlich Mozarts Patron Colloredo ist und die dramatische Serenade beschreibt dessen eigene starke Moral und hohe Tugendhaftigkeit.

    Il sogno di Scipione gewährt einen seltenen, aufregenden Blick in Mozarts frühes Opernwerk. Das Teatro Malibran erweckt die Einaktoper zum Leben und zeigt in dieser Spielzeit deren musikalischen Charme und den fantasievollen Plot.




    image Teatro Malibran / Fondazione Teatro La Fenice, Michele Crosera