Oper und Konzerte in Venedig




    Orlando furioso, Oper von A. Vivaldi

    Orlando furioso, Oper von A. Vivaldi

    Antonio Vivaldi, bekannt für seine Komposition von Die vier Jahreszeiten, war auch ein produktiver Komponist für die Oper. Genaue Zahlen sind umstritten – und viele haben nicht überdauert – doch es ist klar, dass er Dutzende von Werken für die musikalische Bühne geschrieben hat; Der rasende Roland gilt als eines der besten des Barockzeitalters.

    Auf der Grundlage von Ludovico Ariostos epischem Gedicht gleichen Namens wurde Der rasende Roland (Orlando furioso) erstmals in Venedig im längst aufgegebenen Teatro Sant'Angelo im November 1727 unter dem kürzeren Titel Orlando aufgeführt. Trotz ihrer mythischen Szenerie ist die Oper eine faszinierende und in vielerlei Hinsicht äußerst moderne Abhandlung über die Natur der Eifersucht: die Art und Weise, in der sie unsere Gefühle lenkt und wie sie dazu verwendet werden kann, andere für unsere selbstsüchtigen Zwecke zu manipulieren.

    Die Geschichte wird durch die Aktionen von zwei Liebesdreiecken in Gang gebracht: dem Ritter Orlando, Angelica und Medoro; und der Zauberin Alcina, Ruggiero und Bradamante. Orlando soll Merlins Asche, die Quelle von Alcinas Kräften, zurückerobern, doch seine Liebe für Angelica wird zu einer Ablenkung. Astolfo, ebenfalls ein Ritter, ist ihm nur wenig behilflich, da er bereits unter Alcinas Zauber steht.

    Angelica, die nur an Medoro interessiert ist, konspiriert mit Alcina, um Orlando aus dem Weg zu räumen. Während Orlando auf der Suche nach einem magischen Trank ist, initiiert Alcina eine Verfolgung, die mit Orlandos Tod enden soll, damit Angelica und Medoro heiraten können. Mittlerweile sind Alcinas Versuche, Ruggiero zu verzaubern, damit er sich besser in sie verliebt als in Bradamante, weniger erfolgreich; Bradamante hat ihre eigene Waffe, einen Ring, der sämtliche Beschwörungen Alcinas zu brechen vermag.

    Als Orlando, zur Überraschung aller, erneut auf der Bildfläche erscheint, ist er wütend, da er entdecken muss, dass er Angelica an Medoro verloren hat. In seinem Wahnsinn verwechselt er eine Statue von Merlin mit Angelica, wobei er beim Niederreißen Alcinas Macht über die anderen Charaktere zerstört. Die Zauberin ergreift die Flucht, während Orlando wieder zu Sinnen kommt.

    Die Musik von Der rasende Roland ist intensiv, naturalistisch und dramatisch, nie stilisiert oder gezwungen. Jeder der zentralen Charaktere bekommt seine Zeit im Rampenlicht: Orlandos „Nel Profondo“, in dem er seine Angst vor dem, was kommen wird, ausdrückt; Angelicas Protest der Unschuld „Poveri affetti miei, siete innocenti“, wenn Orlando sie des Betruges beschuldigt; und Alcinas Trotz in der Niederlage „Anderò, chiamerò dal profondo“, sind alles besondere Momente, die aufhorchen lassen. Besucher der Oper, die Der rasende Roland in Venedig, dem Geburtsort des Komponisten, im Teatro Malibran besuchen, werden eine andere Seite an Vivaldi entdecken; dunkler als seine vier berühmten Konzerte, aber ebenso überzeugend.




    image Teatro Malibran / Fondazione Teatro La Fenice, Michele Crosera